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Stand: 10.06.2016

Pressemitteilung

Ein Schritt in die richtige Richtung

Beruf Altenpflege

Verbesserungen für Pflegebedürftige, pflegende Angehörige und Pflegekräfte bringt das Zweite Pflegestärkungsgesetz, das im Januar in Kraft getreten ist. Als Schritt in die richtige Richtung wertet Leiter Ernst Ohmer, Leiter des Caritas-Altenzentrums St. Ulrich in Neustadt, das Gesetz.
„Mehr Hilfe für Pflegebedürftige, eine bessere Absicherung der vielen pflegenden Angehörigen und mehr Zeit für die Pflegekräfte“ – das verspricht in den Medien Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe mit dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz.

Ernst Ohmer bezweifelt, dass dieses Gesetz tatsächlich „ein Meilenstein für die Pflegebedürftigen und alle ist, die in unserem Land tagtäglich ihr Bestes geben, um für Pflegebedürftige da zu sein“, wie der Minister weiter ausführt:  „Ich befürchte, dass vor allem die ambulanten Pflegedienste davon profitieren werden, nicht die stationären Einrichtungen“, sagt er. Allerdings sieht er durchaus, dass die Bemühungen der Politik „in die richtige Richtung“ gehen, denn „es kommt mehr Geld ins System.“

Positiv bewertet Ohmer die Neuerung, nach der ab Januar 2017 fünf Pflegegrade eingeführt werden, die die bisherige Regelung der drei Pflegestufen ablösen sollen. „Da werden alle Einschränkungen berücksichtigt“, lobt er, denn nun wird nicht mehr der Pflegeaufwand ermittelt, sondern der Grad der Selbstständigkeit. Die Pflegestufen ergeben sich anhand von sechs festgelegten Kriterien mit einem jeweils festen Punktwert.

„Das Gesetz geht in die richtige Richtung, aber wir sind spät dran damit“, lautet die Kritik des Altenheimchefs, der seit über 30 Jahren das Neustadter Haus führt. Um Verbesserungen zu erreichen, sei auch mehr Personal notwendig – und das sei nicht verfügbar: „Die Wertschätzung für diesen Beruf ist nach wie vor zu gering, die Arbeitsverdichtung bleibt, und dass die Bedingungen künftig besser werden, muss sich erst einmal herumsprechen“, gibt Ohmer zu bedenken.

Die negativen Seiten des Berufs sind leider allgemein bekannt, klagt Ohmer: Das sind zu wenig Personal und in Folge dessen unsichere Dienstpläne aufgrund von Krankheit und Fluktuation sowie immer wieder neue Anforderungen und eine  eher zu geringe Bezahlung. „Unsere Mitarbeiter haben immer das Gefühl, ihre Arbeit nicht vollständig erledigen zu können und immer hinter den Anforderungen hinterherzurennen“, weiß Ohmer aus Erfahrung. Und weil die Arbeit so belastend sei, gebe es auch nicht viele Vollzeitkräfte: Durch Wechseldienste und wenig Zeit zur Erholung zwischen zwei Diensten sei der Beruf körperlich und psychisch sehr anstrengend.

Trotzdem fällt es ihm nicht schwer, für den Arbeitsplatz Altenpflege zu werben: „Es ist ein toller, hochattraktiver Beruf, wenn man etwas mit Menschen machen möchte. Die Arbeit ist herausfordernd - durch die Begegnungen und den hohen Grad an Organisation, Fortbildungen und Innovationen, die der Beruf mit sich bringt. Er ist sinnvoll, sinnstiftend – und das Zusammentreffen als junger Mensch mit alten Menschen, die spannende Lebenswege gegangen sind, ist überaus wertvoll.“

Auch Johannes Weber, Bereichsleiter für die soziale Betreuung in St. Ulrich,  stimmt dem Leiter zu. Er ist wie Ohmer ein Befürworter eines gesamtgesellschaftlichen Diskurses über die Pflege mit ihren Fragen, die alle angehen.  „Was ist uns Pflege wert? Was bedeutet menschenwürdige Pflege für die Gesellschaft?“ Diese Fragen, fordert er, müssten endlich beantwortet werden. Dann, so hoffen beide Fachleute, würde auch das Ansehen des Pflegeberufs nachhaltig steigen, „denn wir brauchen Menschen, die menschlich und fachlich für diese Arbeit qualifiziert sind.“
 

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